Wer im Juli nur noch erntet, verschenkt den halben Garten. Bei mir in der Gärtnerei fängt die zweite Hälfte des Jahres erst an, wenn die Erbsen und die ersten Kartoffeln aus dem Boden sind. Dann werden Reihen frei, und wer jetzt nachsät, isst bis weit nach Weihnachten. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sieht das genauso: Sobald Salat, Erbsen und Zwiebeln geerntet sind, werden Beete für Nachkulturen frei.
Das ist die einfache Wahrheit über den Juli. Wer sie versteht, hat im September und Oktober volle Beete, statt zuzusehen, wie das Unkraut die Lücken füllt. Wann haben Sie das letzte Mal eine ganze Reihe nach der Frühernte brach liegen lassen?
Der Juli ist kein Endpunkt, sondern das zweite Aussaatfenster
Der Hochsommer hat ein schlechtes Image. Viele Gärtner denken, ab Juli wächst nichts mehr, der Boden sei ausgelaugt, und die Hitze lasse ohnehin keine Keimung zu. Das stimmt nur halb.
Was tatsächlich passiert: Die Tage werden ab Mitte August wieder spürbar kürzer, die Nachttemperaturen sinken, und die Herbstfeuchte kehrt zurück. Genau dieses Fenster zwischen Hochsommer und Herbst ist die zweite Saison. Kulturen, die jetzt in die Erde kommen, reifen bei sinkenden Temperaturen aus, halten im September die ersten kühlen Nächte aus und liefern bis in den November hinein. Bei uns in Oberschwaben ernte ich Feldsalat oft erst im Dezember, mitunter sogar nach Weihnachten, wenn der Herbst mild bleibt.
Die Voraussetzung ist nur, dass Sie das Saatbett richtig vorbereiten und im Juli die Bewässerung nicht schleifen lassen. Beides ist keine Raketenwissenschaft, sondern alte Gärtnerpraxis.
Was Sie Anfang, Mitte und Ende Juli noch säen können
Ich teile meinen Juli in drei Fenster ein. Wer die Reihenfolge einhält, hat am Ende des Sommers einen kontinuierlichen Erntefluss, statt einmal viel und dann nichts mehr.
Anfang Juli, also bis etwa zum 10.: Jetzt geht es um Kulturen, die noch eine ganze Saison Wachstum vor sich haben, aber zügig in die Länge schießen.
- Buschbohnen, Als Nachkultur nur bis 10. Juli direkt ins Beet, die Ernte folgt dann im September. Locker in Reihen, 3 bis 4 Zentimeter tief, nicht zu dicht. Vorher den Boden gut wässern.
- Rote Bete, Für die Lagerernte ist Anfang Juli der letzte Termin. Wer nach Mitte Juli noch sät, bekommt kleine Knollen, die sich für den Winterkeller kaum lohnen. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt die Rote Bete ohnehin zwischen April und Anfang Juli; spätere Saaten landen besser im Glas als im Lager.
- Möhren, späte Sorten, Auch hier ist Anfang Juli der Endpunkt. Wer später sät, erntet im Oktober zu dünne, zu kurze Möhren, die den Winter nicht überstehen.
Mitte Juli, also ungefähr 11. bis 20.: Jetzt kommen die asiatischen Kohlsalate ins Spiel, plus erste Salate für den Frühherbst.
- Chinakohl, Kann von Anfang bis Ende Juli direkt gesät werden. In der Reihe auf 30 bis 40 Zentimeter vereinzeln, damit die Köpfe Platz haben. Chinakohl ist im Herbst unproblematischer als im Frühjahr, weil die Schossergefahr mit kürzer werdenden Tagen sinkt.
- Pak Choi, Etwas kniffliger, weil er bei Hitze und Trockenheit gerne schießt. Direktsaat zwischen Ende Juni und Mitte Juli, danach besser als Jungpflanze setzen. Auf gleichmäßige Feuchte achten, Pak Choi reagiert auf Wassermangel sofort mit Notblüte.
- Zuckerhut, Ähnliches Zeitfenster wie Pak Choi, Ende Juni bis Mitte Juli. Bildet feste, zylindrische Köpfe, die sich bis in den November hinein ernten lassen.
Ende Juli, etwa 21. bis 31.: Hier wechselt das Programm zu den Winter- und Frühwinterkulturen.
- Feldsalat, Ab Ende Juli bis Anfang September. Direktsaat in Reihen, 1 Zentimeter tief. Feldsalat keimt bei sommerlicher Wärme schlecht, also den Boden vor und nach der Saat konsequent feucht halten. Wer Ende Juli sät, erntet ab Oktober und je nach Lage bis Weihnachten.
- Spinat, Ende Juli bis Anfang August für eine sichere Herbsternte. Die Pflanzen liefern im September zarte Blätter, bevor die ersten Fröste kommen.
- Radieschen, Geht bis Mitte August, also auch über das Julifenster hinaus. Schnelle Sätze alle zwei bis drei Wochen, das hält die Ernte flüssig.
Eine alte Faustregel aus der Gärtnerei: Rechnen Sie vom gewünschten Erntetermin zurück. Chinakohl braucht etwa 8 bis 10 Wochen, Feldsalat nur 6 bis 8, Radieschen 4 bis 5. Wer Anfang Oktober ernten will, sät Chinakohl spätestens Anfang August. Wer den Zeitpunkt verpasst, schaut im Oktober in leere Beete.
Direktsaat oder Jungpflanzen: So entscheiden Sie richtig
Nicht jede Kultur verträgt die Sommerhitze als Direktsaat. Die LWG Bayern macht eine klare Empfehlung: Kulturen mit langer Entwicklungszeit und größerem Pflanzabstand sollten eher gepflanzt als direkt gesät werden. Der Grund liegt in der Keimphase. Bei 25 Grad und trockenem Boden geht manches Saatgut schlicht nicht auf, oder es verkeimt im Boden.
Die Faustregel aus meiner Gärtnerei:
- Direktsaat im Juli: Buschbohnen (nur bis 10. Juli), Radieschen, Rote Bete (nur bis Anfang Juli), Möhren (nur bis Anfang Juli), Feldsalat, Spinat, Rucola, Dill, Koriander, Chinakohl (verträgt Direktsaat im Juli).
- Jungpflanzen setzen: Kohlrabi, Salat (für die ersten beiden August-Sätze als Jungpflanzen pikieren), Endivien, Radicchio, Fenchel, Brokkoli für die Herbsternte, Pak Choi (ab Mitte Juli besser als Pflanze).
Bei Salat ist die Lage besonders. Wer im Juli direkt sät, hat mit hohen Ausfällen zu rechnen, weil die kleinen Keimlinge bei sommerlicher Hitze eingehen oder schießen. Setzen Sie in den ersten beiden Augustwochen vorgezogene Jungpflanzen. Die wachsen in der kürzer werdenden Tageslänge zügig heran und liefern ab Ende September stabile Köpfe.
Hitze, Bodenfeuchte und Schossen: Worauf die Sommeraussaat reagiert
Drei Probleme entscheiden, ob Ihre Juli-Aussaat gelingt: die Bodentemperatur bei der Keimung, die durchgehende Bodenfeuchte und der Schossreiz bei warmen Nächten.
Bodenfeuchte halten: Die LWG Bayern betont, dass die Saatfläche bei trockener, heißer Witterung feucht bleiben muss, bis das Saatgut gekeimt ist. Jute, Sackleinen oder Vlies auf der frischen Rille helfen, die Feuchtigkeit in den obersten zwei Zentimetern zu halten. Ich nehme dafür gern altes Leinen, das atmet und beschattet gleichzeitig. Wichtig: zweimal täglich kontrollieren, ob die Erde unter dem Tuch noch feucht ist. Was im Hochsommer über die Keimung entscheidet, sind nicht die 30 Grad am Tag, sondern die wenigen Stunden, in denen die oberste Krume austrocknet. Vlies verzeiht mehr Trockenheit, weil es weniger verdunstet, lässt aber weniger Regen durch. Bei längerer Trockenheit abends kurz gießen, bevor Sie das Vlies wieder auflegen.
Schossen verhindern: Salat, Spinat, Pak Choi und Chinakohl schießen bei Temperaturen über 20 Grad in der Nacht. Das bedeutet: Pflanzung in den kühleren Abendstunden, danach schattieren durch Vlies oder einen lichten Schattenspender. Auf schweren, nährstoffreichen Böden schießen Salate ohnehin weniger, auf sandigen und mageren schneller. Hier lohnt es, den Boden vor der Saat zwei bis drei Zentimeter hoch mit reifem Kompost zu mulchen, das puffert Temperaturspitzen ab.
Bewässerung: Für kurzlebiges Gemüse wie Salat, Radieschen oder Kohlrabi ist bei Sommertrockenheit eine permanente Bewässerung Pflicht. Einmal kräftig, dann zwei Tage Pause, das funktioniert nicht. Lieber flach und häufig, morgens oder abends, niemals in der prallen Mittagshitze. Wer eine einfache Tropfbewässerung hat, sollte die jetzt laufen lassen, 30 Minuten am Tag reichen bei den meisten Böden.
Zone 6 bis 8: So verschieben sich die Juli-Fenster
Deutschland ist nicht einheitlich. Wer in Oberbayern auf 700 Metern gärtnert, hat Anfang Juli oft noch Nachttemperaturen um die 8 Grad, während am Oberrhein oder im Breisgau die 18 Grad nachts keine Seltenheit sind. Diese Spanne verändert die Aussaatfenster, und das ist in den meisten Juli-Listen nicht berücksichtigt.
Kühle Lagen, Zone 6, Höhenlagen ab 500 Meter, Norddeutsche Tiefebene mit See- oder Landwind:
- Späte Buschbohnen nur bis 5. Juli, danach reicht die Wärmesumme nicht mehr.
- Chinakohl besser als Jungpflanze Anfang Juli setzen, nicht mehr direkt aussäen.
- Feldsalat erst ab Anfang August, weil die Keimtemperatur sonst zu hoch ist.
- Salat für den Herbst als Jungpflanzen Anfang August, Ende August pikieren.
Mittlere Lagen, Zone 7, größter Teil Deutschlands:
- Die oben genannten Zeitfenster passen. Buschbohnen bis 10. Juli, Chinakohl bis Ende Juli, Feldsalat ab Ende Juli.
Milde Lagen, Zone 8, Oberrhein, Bodensee, Weinbaugebiete, Stadtlagen:
- Buschbohnen noch bis 15. Juli, weil die Wärmesumme im September hoch bleibt.
- Chinakohl kann problemlos bis Anfang August direkt gesät werden.
- Feldsalat keimt hier auch schon ab Mitte Juli zuverlässig.
- Salat kann Ende August noch einmal als Jungpflanze für die Oktobernte gesetzt werden.
In allen drei Zonen gilt: Die zweite Augusthälfte ist für die meisten Direktsaaten der letzte sinnvolle Termin. Danach lohnt nur noch das Setzen von Jungpflanzen.
Was Sie im Juli besser nicht mehr säen
Genauso wichtig wie die Frage, was geht, ist die Frage, was nicht mehr geht. Wer im Juli die falschen Kulturen sät, erntet im Herbst Enttäuschung.
Radieschen im Juli kein Problem, im Hochsommer auf schweren Böden aber häufig madig. Warum? Die Rettichfliege legt ihre Eier in den Juli-Sätzen. Wer schon Probleme mit Maden in Radieschen hatte, sollte im Juli aussetzen und erst wieder ab Anfang September säen.
Rote Bete nach Mitte Juli nicht mehr. Die Knollen bleiben zu klein, die Lagerfähigkeit sinkt stark. Wer den Termin verpasst hat, sät besser Feldsalat in die Beete.
Möhren nach Anfang Juli nicht mehr. Späte Möhren brauchen warmen Boden zum Keimen und kühlen Herbst zum Ausreifen, aber nicht zu wenig Zeit. Anfang Juli gesäte Möhren bringen im Oktober noch brauchbare Erträge. Sätze ab Mitte Juli werden in den meisten Jahren zu kurz.
Buschbohnen nach dem 10. Juli in rauen Lagen nicht mehr. Die Reifezeit bis zur Ernte beträgt etwa 8 bis 10 Wochen, und der September bringt in Zone 6 zu wenig Wärme für ordentliche Hülsen.
Stangenbohnen im Juli nur als Notlösung. Wer im Juli sät, hat im September ein Rankgerüst mit halbreifen Pflanzen, wenn der erste Frost kommt. Lieber im Juni säen oder ganz weglassen.
Vorbereitung der Beete: So füllen Sie die Lücken richtig
Die größte Fehlerquelle im Juli ist nicht die Sortenwahl, sondern der Bodenzustand. Wer eine frisch geerntete Reihe einfach umgräbt und neu sät, hat in den meisten Fällen mit Krustenbildung, Wassermangel und Stickstoffmangel zu kämpfen.
Mein Verfahren nach der Frühernte, hier am Beispiel der Erbsen:
Schritt 1: Wurzeln und Stoppeln entfernen. Erbsenwurzeln ziehe ich mit der Grabegabel vorsichtig heraus. An den Wurzeln sitzen Knöllchenbakterien, die in den Folgekulturen nichts zu suchen haben. Die Wurzeln kommen auf den Kompost, die oberirdischen Triebe ebenfalls.
Schritt 2: Boden lockern, nicht umgraben. Mit der Grabegabel oder der Kulturbett-Hacke 10 bis 15 Zentimeter tief lockern. Bei mir reicht das, weil die Erde seit Jahren nicht mehr gewendet wird. Wer frisch umgegrabene Beete hat, sollte den Boden vorher absetzen lassen und dann nur die obere Krume lockern.
Schritt 3: Kompost einarbeiten. Pro Quadratmeter 2 bis 3 Liter reifen Kompost flach einarbeiten, nicht untergraben. Kompost liegt obenauf und wird von Regenwürmern in den Boden gezogen. So entstehen keine Stauschichten.
Schritt 4: Boden setzen lassen. Idealerweise 7 bis 10 Tage zwischen Vorbereitung und Aussaat. Wer gleich am Tag der Ernte neu sät, hat oft Probleme mit ungleichmäßiger Keimung, weil der frisch gelockerte Boden zu locker ist.
Schritt 5: Vor der Saat gründlich wässern. Den Boden am Vorabend der Aussaat durchdringend gießen, 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter. Direkt vor der Saat noch einmal flach aufrauen, dann die Rille ziehen und säen.
Die zweite Halbzeit beginnt
Im Juli entscheidet sich, ob Ihr Garten im September noch etwas zu bieten hat. Die Aussaatfenster sind eng, aber sie sind da. Wer die Termine Anfang, Mitte und Ende Juli sortiert, wer Direktsaat und Jungpflanzen trennt, wer die Bodenfeuchte konsequent hält und wer auf seine Klimazone achtet, der hat im Oktober volle Beete.
Im Gartenkalender Juli finden Sie die laufenden Ernte- und Pflegearbeiten. Wer sich einen vollständigen Überblick über das Gartenjahr verschaffen will, schaut in den Pflanzkalender Gemüse. Und wer im Sommer überhaupt mit der Bewässerung kämpft, dem hilft der Artikel über Gemüse vor Hitze schützen weiter.
Im Juli entscheidet sich mehr, als viele denken. Packen Sie es an. Die zweite Halbzeit läuft.
