Kohlrabi-Hochbeet im Juli, grüne und violette Knollen
Gemüse

Kohlrabi im Sommer: Späte Sorten & Wassermanagement

· 5 Min. Lesezeit

Sommerkulturen mit Kohlrabi: Die zweite Chance nutzen

Viele Gärtner denken bei Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) automatisch an die Frühjahrskultur. Dabei eröffnet sich mit einer zweiten Aussaat im Juni eine oft unterschätzte Möglichkeit: Während im Hochbeet die ersten Frühjahrsblüher welken, können Sie Kohlrabi als Sommerkulturfrucht neu aufbauen und noch in diesem Jahr eine vollständige Ernte realisieren. Der Schlüssel liegt nicht in anderen Sorten allein, sondern in der richtigen Anpassung des Wassermanagements und der Sortenauswahl für den Wärmestress der Mittsommermonate.

Warum Kohlrabi im Sommer eine andere Pflanze ist

Temperaturen über 25 °C beeinflussen die Schossneigung bei manchen Sorten dramatisch. Die Pflanze investiert Kraft in Blütenanlage statt Knollenbildung. Das ist kein Fehler der Pflanze, sondern eine biologische Reaktion: Wärmestress wird als Signal für die Notwendigkeit der Vermehrung interpretiert.

Hinzu kommt die Wasserbilanz. Im Mai reicht gelegentliches Gießen, im Juli und August ist gleichmäßige Feuchte quasi täglich erforderlich. Eine Trockenperiode von zwei Tagen führt zu Wachstumsrissen und holzigen Fasern, die später nicht rückgängig zu machen sind. Zu viel Nässe begünstigt dagegen bodenbürtige Pilze wie Pythium spp., die Fadenwurmschäden an der Knolle verursachen können.

Sortenauswahl für Sommerkulturen

Nicht alle Kohlrabi-Sorten eignen sich gleich gut für Sommerpflanzungen. Während ‘Korist’ und ‘Logo’ im Frühjahr brillieren, schrauben Sie sich im Juli schnell auf, statt Knollen auszubilden.

Kohlrabi wächst im Sommer im Beet
Im Sommer hitzetolerante Sorten wählen – sie werden nicht so schnell holzig.

Geeignete Sorten für Juni/Juli-Aussaat:

  • ‘Blaro’ (violett, mittelfrüh): zeigt hohe Schossresistenz bei Kälterückschlägen, reagiert aber auch auf Wärmestress moderat. Erntereife in etwa 65 Tagen. Auch bei Sommerwärme bleibt die Schale fest.
  • ‘Winner’ (grün, spätreif): Hitzetoleranz ist eine der Grundeigenschaften dieser Sorte. Sie benötigt zwar längere Kulturzeit (75–85 Tage), ist aber auch noch bei Hochtemperaturen zuverlässig. Nicht die beste Wahl, wenn Sie bis September fertig sein müssen.
  • ‘Gourmet’ (violett): spezielle Sommersort, kleine Knollen (5–6 cm), konzentriert sich schnell auf Knollenbildung statt Blattmasse. Reife bereits nach 55–60 Tagen möglich.

Vermeiden Sie absolut die reinen Frühsorten im Sommer. Die genetische Neigung zum Schossen bei Wärmestress ist zu stark.

Aussaat und Direktsaat im Juni

Ende Mai bis Anfang Juni ist der richtige Zeitpunkt für die Sommersaat. Wenn Sie direkt ins Beet säen, setzen Sie Reihen in 25–30 cm Abstand. Eine Direktsaat verzeiht weniger Fehler als Vorkultur, weil die Jungpflanzen weniger Zeit haben, sich zu etablieren, bevor die Juliwärme kommt.

Sommer-Kohlrabi wird geerntet
Sommerkohlrabi wächst schneller – von Aussaat bis Ernte nur 60–70 Tage.

Saattiefe: 1–1,5 cm. Tiefer nicht, da die Keimung durch höhere Bodentemperaturen ohnehin schon verlangsamt ist. Ein Boden von über 20 °C ist ideal; bei 25 °C und darüber wird die Keimung träge.

Falls Sie Vorkulturen bevorzugen, ziehen Sie Jungpflanzen ab Mitte Mai an. Diese sind dann bereits vier bis sechs Wochen alt, wenn Sie sie Anfang Juli auspflanzen, und bringen etwas Robustheit mit. Der Vorteil ist eine präzisere Bestäubung und weniger Ausfallrisiko.

Die Hochbeet-Überraschung im Sommer

Hochbeete erweisen sich für Sommerkulturen als überraschender Vorteil. Der lockere, humusreiche Aufbau bietet bessere Wasserspeicherung als verdichtete Gartenböden, und der Hochbeetrahmen ermöglicht Schattierungsmaßnahmen durch einfache Überframetücher.

Kohlrabi wird im Sommer gegossen
Im Sommer gleichmäßig gießen – trockene Phasen machen die Knollen rissig.

Mit 25×25 cm Abstand passen in ein Standardhochbeet (120×80 cm) zwölf Pflanzen. Das ist auch eine gute Anzahl, um trockenere Phasen besser zu buffern als in kleinen Einzelbeeten. Ein Hochbeet mit 15–20 cm Erdmasse speichert mehr Wasser als ein flaches Freilandbeet.

Ein bewährter Trick: Mulchen Sie die Oberfläche mit 3–4 cm reifem Kompost oder kurzfaserigem Holzfaserstoff. Das reduziert Verdunstung um etwa 30 % und puffert Temperaturschwankungen ab.

Wassermanagement ist entscheidend

Im Hochsommer ist tägliches Gießen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Devise “seltener, dafür reichlich” vom Frühjahr ist nicht anwendbar.

Faustregel für Juni bis August:

  • Morgens vor 7 Uhr gießen, damit die Blätter bis Mittag abgetrocknet sind (vermindert Pilzkrankheiten)
  • Prüfung mit Fingertest: In 5 cm Tiefe sollte das Substrat noch leicht feucht, aber nicht nass sein
  • Bei Temperaturen über 25 °C jeden Abend zusätzlich spritzen (nur Blattwerk, nicht die Knollen)
  • Nach Regenschauern kontrollieren, ob der Boden wirklich durchfeuchtet ist; oberflächliche Nässe täuscht

Ein Drip-Irrigation-System amortisiert sich bei größeren Flächen schnell. Tropfschläuche unter dem Mulch geben konstant ab und reduzieren Krankheitsdruck durch Benetzung der Blätter.

Fruchtfolgeplanung für Sommerkulturen

Kohlrabi darf auch im Sommer nicht nach anderen Kreuzblütlern folgen. Wenn Sie im Frühjahr bereits Kohl oder Radieschen gehabt haben, bietet sich das Hochbeet für ein Bodenmanagement an:

  • Tauschen Sie die oberen 20 cm der Erdmischung gegen frisches Substrat
  • Oder wählen Sie ein benachbartes Hochbeet oder Freilandstück

Das ist kein Purismus, sondern Prävention gegen Kohlhernie. Die Krankheitserreger (Plasmodiophora brassicae) infizieren andere Kreuzblütler und können im Boden über mehrere Jahre aktiv bleiben.

Mischukultur und Nachbarschaften im Sommer

Im Hochbeet können Sie smarte Kombinationen nutzen:

  • Blattspinate oder Mangold in den Raum zwischen Kohlrabi: Der Spinat ist nach 4–5 Wochen weg und schafft Licht für die Kohlrabi.
  • Knoblauch (falls noch vorhanden) am Rand: Die ätherischen Öle können Kohlweißlinge abschreckend wirken.
  • Strauchbohnen (nicht Stangenbohnen) als Lückenfüller: Sie ranken eher flach und konkurrieren nicht vertikal.

Vermeiden Sie zu dicht. Ein belastetes Hochbeet mit dichtem Blätterdach fördert Pilzerkrankungen bei hoher Luftfeuchte in den Morgenstunden.

Der letzte entscheidende Punkt: Erntezeitpunkt

Sommerkulturen sind frühzeitiger erntereif als Sie erwarten. Durch die konstante Wärme verläuft die Knollenentwicklung schneller. Was Sie im Frühjahr mit 8 Wochen rechnen, kann im Juli bereits in 55–60 Tagen der Fall sein.

Kontrollieren Sie ab Woche 5 regelmäßig. Eine Kohlrabi mit 5–6 cm Durchmesser ist bei Sommeranbau schon optimal. Warten Sie nicht auf die volle 8 cm-Größe, weil Sie sonst das Risiko für Holzigkeit erhöhen.

Die Ernte sollte grundsätzlich im September abgeschlossen sein. Mit dem ersten Frost (unter −2 °C) endet die Saison; die Knollen werden faserreich.

Zusammenfassung des Sommer-Workflows

  1. Ende Mai: Sortenauswahl treffen (‘Blaro’, ‘Gourmet’)
  2. 1.–10. Juni: Direktsaat oder Jungpflanzenanzucht starten
  3. 1.–15. Juli: Auspflanzen (Direktsaat-Pflanzen alternativ ins Hochbeet)
  4. Juli–August: Tägliches Wasser-, Mulch- und Schattierungsmanagement
  5. August–September: Selektive Ernte ab Woche 5–6 der Kultur

Mit dieser Planung nutzen Sie den Sommer nicht als Brache nach der Frühjahrskultur, sondern als zweite Chance für eine ebenso erfolgreiche Kohlrabi-Saison.

Quellen & Referenzen

Alle Angaben basieren auf wissenschaftlichen Quellen und langjähriger Praxiserfahrung unserer Experten.

  1. Behörde Kohlrabi – Sommeranbau und Folgesaat, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (2023)
  2. Wissenschaft Brassica oleracea var. gongylodes – Schädlinge und Krankheiten, Julius Kühn-Institut (JKI) (2023)
  3. Wissenschaft Kohlrabi – Glucosinolate, Vitamin C und Ernährungsphysiologie, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (2022)
  4. Behörde Kohlrabi anbauen – Sommer- und Herbstanbau, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (2022)