Frischer Weißkohl mit kompaktem Kopf und grünen Außenblättern im Gemüsebeet
Gemüse

Kohl anbauen: Weißkohl, Rotkohl und Spitzkohl ernten

· 5 Min. Lesezeit

Kohl gehört zu den ältesten Kulturgemüsen Europas, und das aus gutem Grund. Weißkohl, Rotkohl und Spitzkohl lassen sich auch im kleinen Hausgarten gut anbauen, liefern hohe Erträge und sind über Monate lagerfähig. Schwierig ist Kohl nicht. Aber wer ohne Vorbereitung loslegt, scheitert meistens am falschen Standort, zu engem Pflanzabstand oder an der Kohlhernie.

Ich erkläre Ihnen, worauf es wirklich ankommt.

Weißkohl, Rotkohl oder Spitzkohl: Was ist der Unterschied?

Alle drei Sorten sind Kopfkohl und gehören botanisch zur Art Brassica oleracea var. capitata. Der wichtigste praktische Unterschied liegt im Reifetyp.

Spitzkohl reift am frühesten, meist schon ab Juli. Die Köpfe sind locker, spitz und sehr zart. Er eignet sich ideal für den schnellen Sommergenuss, ist aber kaum lagerfähig.

Weißkohl ist der klassische Einmach- und Sauerkrautkohl. Je nach Sorte reift er von August bis in den November, und wer Lagersorten wählt, kann ihn bis Februar im Keller aufbewahren. Der Kopf ist fest und kompakt, der Geschmack kräftiger als Spitzkohl.

Rotkohl reift ähnlich spät wie Weißkohl und hat die längste Lagerzeit. Er ist geschmacklich intensiver und enthält durch den Anthocyangehalt besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe. Kochen und Einmachen verändert die Farbe je nach Säuregehalt des Wassers.

Für die meisten Hausgärten empfehle ich, mit Spitzkohl zu beginnen, weil der Anbau einfacher ist und der Erfolg schneller sichtbar.

Rotkohl aufgeschnitten zeigt die charakteristischen violetten Ringe auf weißem Holzuntergrund
Rotkohl im Anschnitt: Die intensiv violette Färbung stammt von Anthocyanen, natürlichen Pflanzenfarbstoffen. Die Farbe verändert sich beim Kochen je nach Säuregehalt des Wassers.

Standort und Boden

Kohl braucht Sonne. Mindestens sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung täglich, besser mehr. Im Halbschatten bilden sich lockere, kleine Köpfe, der Ertrag lohnt den Aufwand kaum.

Der Boden sollte tiefgründig, humusreich und gut wasserhaltendfähig sein. Kohl ist ein Starkzehrer, der erhebliche Mengen Stickstoff, Kalzium und Kalium benötigt. Leichte Sandböden eignen sich nur mit guter Vorbereitung.

pH-Wert: Das ist der häufig unterschätzte Faktor. Kohl braucht einen pH zwischen 6,5 und 7,2. Auf sauren Böden unter pH 6,5 hat die Kohlhernie (ein bodenbürtiger Schleimpilz) ideale Bedingungen. Eine Kalkung vor dem Anbau ist in den meisten deutschen Gärten sinnvoll, wenn der pH unter 6,8 liegt. Eine einfache Bodenanalyse zeigt den Istwert.

Fruchtfolge: Kohl sollte nie nach Kohl oder anderen Kreuzblütengewächsen (Radieschen, Rucola, Senf) angebaut werden. Mindestens drei, besser vier Jahre Pause zwischen Kohlkulturen am gleichen Standort einplanen. Sonst reichert sich die Kohlhernie im Boden an, und die Schäden werden von Jahr zu Jahr schlimmer.

Vorziehen oder kaufen?

Kohl aus dem Gartencenter ist für den Einstieg völlig in Ordnung. Wer allerdings besondere Sorten oder frühe Ernte anstrebt, kommt ums Vorziehen nicht herum.

Vorziehen: Spitzkohl und Frühweißkohl werden ab Mitte März in Saatschalen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorgezogen. Aussaattiefe: 1 cm. Keimtemperatur: 18 bis 20 Grad. Nach dem Aufgehen reichen 14 bis 16 Grad für kräftiges Wachstum. Bei höheren Temperaturen werden die Jungpflanzen lang und schwach.

Pikieren: Sobald die Keimlinge zwei echte Blätter haben, werden sie in Einzeltöpfe pikiert. Das fördert die Wurzelentwicklung erheblich.

Abhärten: Zwei Wochen vor dem Auspflanzen täglich für einige Stunden nach draußen, erst geschützt, dann freier. Kohl ist frosttoleranter als Tomaten. Abgehärtete Jungpflanzen vertragen kurze Fröste bis minus 3 Grad.

Spätaussaat für Herbsternte: Rotkohl und Lagerkohl werden für die Herbsternte erst im Mai bis Anfang Juni vorgezogen und dann im Juni ausgepflanzt.

Auspflanzen: Zeitpunkt und Abstand

Spitzkohl und früher Weißkohl können bereits ab Ende April, Anfang Mai ins Beet. Nach den Eisheiligen (nach dem 15. Mai) ist jede Kohlsorte sicher.

Pflanzabstand: Das ist der Punkt, an dem die meisten Anfänger sparen und sich damit selbst schaden. Kohl braucht Platz.

  • Spitzkohl: 40 × 50 cm (Pflanze × Reihe)
  • Weißkohl (mittelgroße Sorten): 50 × 60 cm
  • Rotkohl: 50 × 60 cm
  • Großköpfige Lagersorten (z.B. ‘Lennox’): 60 × 70 cm

Zu enge Pflanzung führt zu kleinen Köpfen, schlechter Luftzirkulation und höherem Krankheitsdruck. Lieber drei Pflanzen mit Abstand als fünf auf der gleichen Fläche.

Einpflanzen: Tief setzen, bis zu den untersten Blättern. Kohl bildet an vergrabenen Stängelteilen Wurzeln. Das macht die Pflanzen stabiler. Anschließend gut angießen.

Erdflohschutz: Direkt nach dem Pflanzen ein Kulturschutznetz über das Beet spannen. Erdflöhe fressen winzige Löcher in die Blätter junger Kohlpflanzen und schwächen sie erheblich. Das Netz bleibt bis die Pflanzen etabliert sind, mindestens drei Wochen.

Pflege: Gießen, Düngen, Hacken

Gießen: Kohl braucht gleichmäßige Feuchtigkeit. Trockenstress führt zu Platzen der Köpfe (wenn nach Trockenheit plötzlich viel Regen kommt) und zu Calciummangelerscheinungen. Die Köpfe sollten nicht direkt beregnet werden. Besser bodennah gießen oder Tröpfchenbewässerung einsetzen.

Düngen: Als Starkzehrer braucht Kohl regelmäßige Nährstoffgaben. Ich empfehle folgende Vorgehensweise:

  1. Grunddüngung beim Einpflanzen: reichlich Kompost in die Pflanzlöcher einarbeiten
  2. Nach zwei Wochen: erste Stickstoffgabe mit einem Gemüsedünger
  3. Bei Weißkohl und Rotkohl: nochmals düngen, wenn die Köpfe sich zu bilden beginnen

Kohl reagiert auf Stickstoffmangel mit hellen, gelblichen Blättern. Zu viel Stickstoff hingegen fördert Blattmasse auf Kosten des Kopfes. Ziel ist eine ausgewogene, regelmäßige Versorgung.

Hacken: Zwischen den Reihen regelmäßig hacken, um Unkraut zu unterdrücken und Bodenverdichtung zu verhindern. Gleichzeitig etwas Erde an die Stängel heranziehen, das verbessert die Standfestigkeit.

Mulchen: Eine Schicht Rasenschnitt oder Stroh zwischen den Pflanzen hält die Feuchtigkeit und unterdrückt Unkraut. Bei feuchter Witterung Mulch von den Stängeln freihalten.

Kohlweißling und andere Schädlinge

Kohlweißling (Pieris brassicae): Die grünen Raupen des Großen Kohlweißlings sind der häufigste Kohlschädling in deutschen Gärten. Die Weibchen legen gelbe Eipakete auf der Blattunterseite ab. Wer das Kulturschutznetz konsequent bis zur Ernte über dem Beet lässt, hat das Problem weitgehend im Griff.

Ohne Netz: regelmäßig Blattunterseiten kontrollieren und Eipakete absammeln. Raupen, die dennoch schlüpfen, von Hand entfernen. Bei starkem Befall ist Bacillus thuringiensis kurzisaeli (Bt), ein biologisches Mittel, wirksam und für den Hausgarten zugelassen.

Schnecken: Jungpflanzen sind für Schnecken besonders attraktiv. Eisen-III-Phosphat-Präparate wirken zuverlässig ohne Nebenwirkungen auf andere Tiere.

Erdflöhe: Schon erwähnt. Das Netz ist die beste Lösung. Kein Netz? Dann befallene Pflanzen früh morgens kontrollieren und Tiere absammeln.

Blattläuse: Mehlschutzmittel und natürliche Gegenspieler (Marienkäfer, Florfliegen) halten Blattlauskolonien oft in Schach. Bei starkem Befall mit Schmierseifenlösung besprühen.

Kohlhernie: Das größte Risiko

Die Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) ist ein bodenbürtiger Schleimpilz, der die Wurzeln befällt und zu knotigen Verdickungen führt. Befallene Pflanzen welken, wachsen kaum und sterben ab.

Das Heimtückische: Die Sporen überdauern bis zu 20 Jahre im Boden. Wer einmal Kohlhernie im Garten hat, muss extrem lange Fruchtfolgen einhalten oder den Anbau ganz aufgeben.

Vorbeugung:

  • pH-Wert über 7,0 halten. Kohlherniesporen sind bei hohem pH weniger aktiv.
  • Strenge Fruchtfolge: mind. 4 Jahre Pause
  • Jungpflanzen nur aus seriösen Quellen, nie aus dem Bestand betroffener Gärten
  • Resistente Sorten nutzen, z.B. ‘Kilaton F1’ (Weißkohl) mit Kohlhernienresistenz

Ernte und Lagerung

Spitzkohl: Ernte, sobald die Köpfe fest sind und sich schwer anfühlen, typischerweise Juli bis August. Spitzkohl ist nicht lagerfähig und sollte innerhalb einer Woche verbraucht werden.

Weißkohl und Rotkohl: Die Köpfe sind erntereif, wenn sie fest und kompakt sind. Vor dem ersten Frost ernten oder bei Lagersorten geschützt im Beet lassen. Lagersorten halten bis zu 6 Monate im kühlen Keller bei 0 bis 4 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit.

Ein einfacher Test: Kräftig auf den Kopf drücken. Federt er nach, braucht er noch Zeit. Lässt er sich kaum eindrücken, ist er erntereif.

Lagerung: Kohl lagert am besten auf Holzregalen im Keller. Die Köpfe nicht stapeln, damit Luft zirkulieren kann. Äußere Blätter dranllassen, sie schützen den Kopf vor Austrocknung.

FAQ

Kann ich Kohl im Hochbeet anbauen? Ja, aber das Hochbeet muss tief genug sein (mindestens 40 cm Substrat) und die Nährstoffversorgung gut gesichert sein. Kohl entzieht dem Substrat viel, eine Nachfüllung mit Kompost nach der Ernte ist sinnvoll.

Warum platzt mein Weißkohl auf? Platzen entsteht durch ungleichmäßige Wasserversorgung. Nach längerer Trockenheit nehmen reife Köpfe zu schnell Wasser auf, wenn es plötzlich regnet, und der Kopf reißt auf. Gleichmäßig gießen und reife Köpfe rechtzeitig ernten.

Wie erkenne ich Kohlhernie? Befallene Pflanzen welken tagsüber trotz genügend Feuchtigkeit. Wer eine welke Pflanze ausgräbt und knotenartige Verdickungen an den Wurzeln sieht, hat Kohlhernie. Die Pflanze entfernen und in den Müll, nicht auf den Kompost.

Muss ich Kohl stützen? Spitzkohl kaum. Schwere Weißkohl- und Rotkohl-Köpfe können die Pflanze im Herbst kippen lassen, besonders bei Wind. Einen Pfahl danebenstecken und den Stängel locker anbinden, wenn der Kopf sehr schwer wird.

Was passiert, wenn Kohl schießt? Wenn Kohl keinen Kopf bildet, sondern in die Höhe schießt und blüht, hat er „geschossen”. Ursachen sind falsche Temperaturen beim Vorziehen (zu warm, dann plötzlich kalt), zu frühes Auspflanzen oder bestimmte Sorten. Vorgezogene Keimlinge sollten keine längeren Kälteperioden unter 5 Grad erleben.

Weiterführende Quellen

Quellen & Referenzen

Alle Angaben basieren auf wissenschaftlichen Quellen und langjähriger Praxiserfahrung unserer Experten.

  1. Behörde Kopfkohl (Brassica oleracea) – Anbau im Hausgarten, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (2023)
  2. Behörde Kohlanbau im Kleingarten – Kohlhernie, Schädlinge und Fruchtfolge, Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) (2023)
  3. Wissenschaft Brassica oleracea – Anbauempfehlungen und Sortenkunde, Julius Kühn-Institut (JKI) (2022)
  4. Wissenschaft Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) – Biologie und Bekämpfung, Julius Kühn-Institut (JKI) (2023)