In meinen Jahren in den Versuchsgärten habe ich viele Gärtnerinnen und Gärtner erlebt, die vor dem Chinakohl zurückschrecken. Oft höre ich: „Der schießt mir doch nur ins Kraut!“ Das ist verständlich, denn der Chinakohl, botanisch Brassica rapa subsp. pekinensis, hat eine Eigenart. Als Langtagpflanze neigt er bei zu viel Licht im Frühsommer zur Blütenbildung, statt einen schönen, festen Kopf auszubilden. Doch mit dem richtigen Timing und Wissen ist der Anbau dieses knackigen Gemüses, das auch als Pekingkohl oder Japankohl bekannt ist, eine wahre Freude.
Chinakohl anbauen: Aussaat und Pflanzung
Das A und O beim Chinakohl ist der richtige Zeitpunkt für die Aussaat. Anders als bei vielen anderen Kohlarten, die man im Frühjahr sät, wartet man beim Chinakohl klassischerweise bis nach dem längsten Tag des Jahres. Die Tage werden dann kürzer, und die Gefahr des Schossens sinkt erheblich.
Der optimale Zeitraum für die Aussaat ist daher ab Mitte Juni bis Ende Juli. So entwickeln die Pflanzen erst kräftige Blattmasse und bilden dann im Spätsommer und Herbst bei kühleren Temperaturen und kürzeren Tagen die festen, ovalen Köpfe.
So gehen Sie bei der Aussaat vor:
- Vorkultur in Töpfen: Ich empfehle die Vorkultur in Anzuchtschalen oder kleinen Töpfen. Verwenden Sie eine nährstoffarme Anzuchterde und legen Sie die Samen etwa einen Zentimeter tief ab. Die ideale Keimtemperatur liegt zwischen 18 und 25 Grad Celsius. Bei diesen Bedingungen zeigen sich die ersten Keimlinge meist innerhalb von 5 bis 10 Tagen. Wenn es im Sommer sehr heiß ist, stellen Sie die Aussaatschalen besser halbschattig auf, um ein Überhitzen des Substrats zu vermeiden.
- Pikieren der Jungpflanzen: Sobald die Keimlinge nach den Keimblättern die ersten echten Blätter entwickelt haben, ist es Zeit fürs Pikieren. Das geschieht meist nach zwei bis drei Wochen. Setzen Sie die kräftigsten Pflänzchen einzeln in größere Töpfe, zum Beispiel mit 9x9 cm Kantenlänge. Nun darf es auch eine nährstoffreichere Gemüseerde sein. Sind einige Keimlinge etwas in die Länge geschossen, können Sie diese ruhig etwas tiefer setzen. Das regt die Bildung zusätzlicher Wurzeln an.
- Auspflanzen ins Beet: Anfang bis Ende August sind die Jungpflanzen dann kräftig genug für das Freiland. Ein guter Pflanzabstand ist entscheidend für gesunde Pflanzen und die Prävention von Pilzkrankheiten. Halten Sie einen Reihenabstand von etwa 50 cm und einen Abstand in der Reihe von 30 bis 40 cm ein. So haben die Köpfe ausreichend Platz, sich zu entwickeln, und die Luft kann gut zirkulieren.
Eine interessante Ausnahme ist der Anbau für eine sehr frühe Ernte. Mit speziellen schossfesten Sorten wie ‘Manoko’ kann die Aussaat schon Mitte Januar im Haus erfolgen. Die Pflanzung unter einem Folientunnel im März ermöglicht dann eine Ernte bereits Ende April, bevor die langen Tage das Schossen auslösen können.
Der ideale Standort und Boden für Chinakohl
Haben Sie schon einmal beobachtet, wie empfindlich manche Kohlarten auf Wind reagieren? Chinakohl mag es geschützt. Ein sonniger bis halbschattiger und windgeschützter Standort ist ideal. Die große Blattfläche verdunstet viel Wasser, und Wind würde diesen Effekt nur verstärken.
Der Boden ist das zweite wichtige Standbein für eine erfolgreiche Kultur. Chinakohl stellt als Starkzehrer hohe Ansprüche. Der Boden sollte folgende Eigenschaften aufweisen:
- Tiefgründig und locker: Die Wurzeln müssen sich gut ausbreiten können, um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Ein verdichteter Boden führt zu Wachstumsstockungen.
- Humusreich: Humus speichert Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm und gibt sie bedarfsgerecht an die Pflanze ab. Arbeiten Sie vor der Pflanzung großzügig reifen Kompost oder gut verrotteten Mist ein. Als Vorkultur eignen sich Pflanzen, die den Boden gut vorbereiten, etwa Frühkartoffeln oder Salate.
- Guter pH-Wert: Optimal ist ein pH-Wert im neutralen Bereich zwischen 6,0 und 7,5. In diesem Bereich sind die meisten Nährstoffe für die Pflanze am besten verfügbar. Eine Bodenprobe alle paar Jahre gibt Ihnen hierüber Aufschluss.
Pflege und Düngung: So gedeiht Chinakohl optimal
Die Vegetationsperiode von Chinakohl ist mit 60 bis 90 Tagen nach der Aussaat recht kurz. In dieser Zeit muss die Pflanze eine enorme Blattmasse bilden. Das erfordert eine konstante Versorgung mit Wasser und Nährstoffen.
Besonders während der Kopfbildung ist der Wasserbedarf hoch. Eine ungleichmäßige Wasserversorgung kann zu platzenden Köpfen oder einem bitteren Geschmack führen. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und unterdrückt gleichzeitig Unkraut.
Als Starkzehrer benötigt Chinakohl eine gute Nährstoffgrundlage, die Sie bereits bei der Beetvorbereitung mit Kompost schaffen. Eine zusätzliche Düngergabe etwa drei bis vier Wochen nach dem Auspflanzen kann das Wachstum unterstützen. Organische Dünger wie Hornspäne oder eine Gabe verdünnter Brennnesseljauche sind hierfür gut geeignet.
In der Mischkultur fühlt sich Chinakohl neben Sellerie, Spinat oder Salaten wohl. Vermeiden Sie unbedingt die Nachbarschaft zu anderen Kreuzblütlern wie Radieschen, Rettich oder anderen Kopfkohlarten. Sie konkurrieren nicht nur um dieselben Nährstoffe, sondern ziehen auch dieselben Schädlinge und Krankheiten an–eine Einladung für Probleme.
Schädlinge und Krankheiten beim Chinakohl bekämpfen
Wo Kohl wächst, sind leider auch seine spezialisierten Feinde nicht weit. Mit wachsamen Augen und vorbeugenden Maßnahmen können Sie die meisten Probleme jedoch gut in den Griff bekommen.
- Erdflöhe: Kleine schwarze Käfer, die bei Störung wegspringen und zahlreiche kleine Löcher in die Blätter fressen. Besonders Jungpflanzen sind gefährdet. Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht und hacken Sie regelmäßig. Ein Kulturschutznetz ist die wirksamste Methode, sie fernzuhalten.
- Kohlweißling: Die Raupen dieses Schmetterlings können in kurzer Zeit ganze Blätter kahl fressen. Kontrollieren Sie die Blattunterseiten regelmäßig auf die gelben Eigelege und zerdrücken Sie diese. Auch hier leistet ein Netz gute Dienste.
- Kohlfliege: Sie legt ihre Eier an den Wurzelhals der jungen Pflanzen. Die Maden fressen an den Wurzeln und bringen die Pflanze zum Welken. Sogenannte Kohlkragen aus Pappe, die Sie um den Stängel legen, verhindern die Eiablage.
Die mit Abstand größte Gefahr für alle Kohlarten ist jedoch die Kohlhernie. Diese durch einen Schleimpilz (Plasmodiophora brassicae) verursachte Krankheit führt zu wuchernden Verdickungen an den Wurzeln. Die Wasser- und Nährstoffaufnahme wird blockiert, die Pflanze kümmert und bildet keine Köpfe. Einmal im Boden, ist der Erreger extrem langlebig und kaum zu bekämpfen. Vorbeugung ist hier alles. Die einzig wirksame Maßnahme ist eine strikte Kulturfolge: Halten Sie auf dem betroffenen Beet eine Anbaupause von mindestens vier, besser noch fünf bis sieben Jahren für alle Kreuzblütler ein. Das schließt auch Senf als Gründüngung mit ein.
Chinakohl ernten und richtig lagern
Etwa acht bis zehn Wochen nach dem Auspflanzen ist es so weit. Wenn sich feste, geschlossene Köpfe gebildet haben, können Sie mit der Ernte beginnen. Tasten Sie die Köpfe vorsichtig ab, um ihre Festigkeit zu prüfen. Schneiden Sie den Chinakohl mit einem scharfen Messer direkt über dem Boden ab. Die äußeren, losen Blätter können Sie entfernen und auf dem Kompost entsorgen.
Ein großer Vorteil des Herbstanbaus ist die gute Frostverträglichkeit. Chinakohl verträgt Temperaturen bis etwa -6 °C. Ein leichter Frost schadet ihm nicht, im Gegenteil: Ähnlich wie beim Grünkohl kann er den Geschmack sogar verbessern, da Stärke in Zucker umgewandelt wird. Die Erntezeit kann sich so bis in den Dezember hinein erstrecken.
Zur Lagerung schlagen Sie die Köpfe am besten in ein feuchtes Tuch ein oder legen sie in eine perforierte Plastiktüte. Im Gemüsefach des Kühlschranks oder in einem kühlen, feuchten Keller hält er sich so über mehrere Wochen frisch und knackig.
Vielfältige Chinakohl-Sorten im Überblick
Nicht jeder Chinakohl ist gleich. Über die Jahre habe ich in den Sichtungsgärten viele verschiedene Varietäten kennengelernt. Die Wahl der richtigen Sorte hängt stark von Ihrem Anbauziel ab.
- Frühe, schossfeste Sorten: Für den bereits erwähnten Frühjahrsanbau ist die Sorte ‘Manoko F1’ eine ausgezeichnete Wahl. Sie ist speziell darauf gezüchtet, auch bei zunehmender Tageslänge zuverlässig Köpfe zu bilden.
- Klassische Herbstsorten: ‘Granat’ ist eine bewährte Sorte für den Herbstanbau mit langen, zylindrischen Köpfen und guter Lagerfähigkeit. Auch ‘Michihili’ ist eine weit verbreitete Sorte, die für ihre zarten Blätter bekannt ist.
- Besondere Sorten: Wenn Sie etwas Abwechslung mögen, versuchen Sie es mit ‘Scarvita F1’. Diese Sorte bildet attraktive, rot gefärbte Blätter und ist ein Blickfang in jedem Salat.
Lesen Sie stets die Angaben auf dem Samentütchen. Dort finden Sie die spezifischen Empfehlungen zur Aussaatzeit und Kultur für die jeweilige Sorte. So steht einer erfolgreichen Chinakohl-Ernte aus dem eigenen Garten nichts mehr im Wege.
