Gurken: Lohnend, aber anspruchsvoller als gedacht
Gurken (Cucumis sativus) gehören zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) und sind in ihrer Anspruchshaltung grundverschieden von Zucchini, obwohl beide zur selben Familie zählen. Wer die Grundregeln kennt und konsequent anwendet, wird mit einem wahren Überfluss an knackigen, aromatischen Früchten belohnt. Der Unterschied zu Supermarktgurken ist erheblich: selbst gezogene Gurken haben eine dünne, essbare Schale, kaum Bitterstoffe und ein intensiv frisches Aroma, das nach wenigen Tagen Transport und Kühllagerung verloren geht.
Cucumis sativus braucht Wärme, gleichmäßige Feuchtigkeit und Aufmerksamkeit. Wer das liefern kann, wird belohnt.
Sorten: Freiland oder Gewächshaus?
Das ist die erste und wichtigste Entscheidung beim Gurkenanbau:
Freilandgurken (Einlegegurken):
- Kompakter Wuchs, rauere Schale als Schlangengurken
- Vertragen kühlere Temperaturen besser
- Sorten: ‘Delikates’, ‘Vorgebirgstrauben’, ‘National’
- Ideal für Salate und Einlegen
Schlangengurken (Gewächshaus/Tunnel):
- Lang, glatte Schale, milder Geschmack
- Brauchen gleichmäßige Wärme und Schutz
- Sorten: ‘Denar’, ‘Marketmore’, ‘Picolino’ (Minisorte)
- Für direkten Verzehr und Salate
Minigurken:
- Cocktailgurken, 8 bis 12 cm lang
- Sehr ertragreich, für Topf und Beet
- Kaum Bitterstoffe, essbare Schale
Vorziehen auf der Fensterbank
Gurken sind frostempfindlich und wärmeliebend. Daher unbedingt vorziehen:
Zeitplan:
- 3 bis 4 Wochen vor dem Auspflanzen vorziehen
- Für Freiland: Vorziehen Anfang Mai, Auspflanzen nach den Eisheiligen (ab 15. Mai)
- Für Gewächshaus: Vorziehen Ende März/Anfang April, Einpflanzen ab Ende April
Aussaat:
- Einzelne Samen in 10-cm-Töpfe, 2 cm tief
- Keimtemperatur: 22 bis 26°C (Fensterbrett über der Heizung genügt)
- Keimung nach 5 bis 8 Tagen
- Sehr heller Standort für kräftige Jungpflanzen
- Nicht pikieren, Cucumis sativus verträgt keine Störung der Pfahlwurzel
Standort: Warm, windgeschützt, sonnig
Gurken brauchen:
- Mindestens 6 Stunden Sonne täglich
- Windschutz, Kältewind schadet Gurken dauerhaft, weil die Pflanze daraufhin ihr Wachstum drosselt
- Ideale Außentemperatur: 22 bis 28°C tagsüber
- Bodentemperatur: mindestens 15°C beim Einpflanzen
Gute Standorte: vor einer südlichen Hauswand, in einem geschützten Innenhof oder unter einem Folientunnel. Gewächshaus-Gurken wachsen unter optimalen Bedingungen und liefern die höchsten Erträge.
Rankgitter: Unbedingt notwendig
Gurken wachsen mit Ranken und benötigen Stütze. Ohne Rankgitter liegen sie auf dem Boden, werden nass und faulen, oder werden von Schädlingen befallen. Ähnlich wie beim Kohlrabi ist die mechanische Unterstützung keine optionale Maßnahme, sondern Voraussetzung für gesunden Wuchs.
Möglichkeiten:
- Stabgitter aus Holz oder Metall (mindestens 180 cm hoch)
- Maschendraht zwischen zwei Pfosten gespannt
- Fadengerüst an einem Metallrahmen
Gurken an der Kletterhilfe regelmäßig eindrehen oder mit Bindfaden fixieren.
Ausgeizen bei Gurken, was bedeutet das?
Bei Schlangengurken (Gewächshaus) empfiehlt sich das Ausgeizen:
- Haupttrieb senkrecht nach oben führen
- Seitentriebe nach 2 Blättern und der ersten Frucht anbinden und kürzen
- An der Gewächshausdecke weiterwachsen lassen oder umlenken
Wenn der Haupttrieb nicht kontrolliert geführt wird, verzweigt sich die Pflanze stark und die Früchte werden kleiner und unregelmäßiger. Bei Freilandgurken kann man die Pflanze meist frei wachsen lassen.
Dill: Der perfekte Gurkennachbar
Die Kombination Gurke und Dill ist eine der bewährtesten Mischkulturen im Gemüsegarten:
- Dill (Anethum graveolens) lockt Nützlinge an, besonders Schlupfwespen gegen Blattläuse
- Dill hält Spinnmilben auf Abstand
- Praktisch: frischer Dill direkt bei der Gurkenernte zur Hand für Salate und Einmachen
Weitere gute Gurkennachbarn: Erbsen, Buschbohnen, Sonnenblumen (Windschutz und Rankgitter in einem).
Schlechte Nachbarn: Tomaten (beide brauchen unterschiedliche Bewässerung und Bedingungen), Salbei, Fenchel.
Wasserbedarf: Viel und regelmäßig
Gurken bestehen zu rund 96 % aus Wasser, das gibt schon einen Hinweis auf den Bewässerungsbedarf:
- Täglich gießen bei warmem Wetter
- Immer an der Wurzel gießen, nie von oben
- Nasse Blätter fördern Echten Mehltau (Sphaerotheca fuliginea) und andere Blattpilze
- Mulch spart Gießarbeit erheblich
- Bei Tröpfchenbewässerung: ideal, weil gleichmäßig und blattschonend
Wassermangel führt zur Einlagerung von Cucurbitacinen, den Bitterstoffen. Ungleichmäßige Bewässerung nach Trockenperiode führt dagegen zu geplatzten Früchten, weil die Zellgewebe die plötzliche Wasseraufnahme nicht kompensieren können.
Düngung
Gurken sind Starkzehrer:
- Beim Einpflanzen viel reifen Kompost einarbeiten
- Alle 10 bis 14 Tage flüssig mit Kalium-Stickstoff-Dünger versorgen
- Brennnesseljauche (1:10 verdünnt) ist ein guter organischer Allrounder
Ernte: Regelmäßig und rechtzeitig
Freilandgurken: ernten bei 8 bis 12 cm Länge (Einlegegurken) oder 15 bis 25 cm (je nach Sorte). Schlangengurken: bei 30 bis 35 cm Länge ernten.
Täglich kontrollieren! Überreife Gurken werden gelb, die Samen hart, das Fleisch wässrig. Außerdem bremst eine überreife Frucht am Stiel die Bildung neuer Blüten, ein direkter hormoneller Zusammenhang.
Mit einem scharfen Messer abschneiden, nicht abreißen.
Häufige Probleme
Bittere Gurken: Trockenstress oder Temperaturschwankungen verursachen die Anreicherung von Cucurbitacinen. Sorten mit dem Genotyp “Bitterfrei” wählen, z.B. ‘Picolino’ oder ‘Marketer’.
Gelbe Blätter: Stickstoff- oder Magnesiummangel. Mit organischem Volldünger nachhelfen.
Schlechter Fruchtansatz: Bei Gewächshausgurken meist kein Problem, da diese parthenokarpe (befruchtungsunabhängige) Sorten sind. Bei Freilandgurken prüfen, ob ausreichend Bestäuber vorhanden sind.
Häufige Fragen zu Gurken
Warum werden meine Gurken trotz gutem Pflanzenverlauf bitter? Bitterstoffe (Cucurbitacine) entstehen durch Stress, vor allem Trockenstress und starke Temperaturschwankungen. Lösung: gleichmäßig gießen, Mulch auflegen, windgeschützten Standort wählen und von Anfang an bitterfreie Sorten wie ‘Picolino’ oder ‘Marketmore’ anbauen.
Kann ich Gurken und Tomaten nebeneinander pflanzen? Besser nicht. Tomaten werden seltener und tiefer gegossen, Gurken täglich und viel. Außerdem brauchen Tomaten wenig Luftfeuchtigkeit, weil feuchte Luft die Krautfäule (Phytophthora infestans) begünstigt, Gurken dagegen mögen es feuchter. Die unterschiedlichen Ansprüche machen eine gute Nachbarschaft schwierig.
Ab wann kann ich Gurken ernten? Die erste Ernte ist je nach Sorte 50 bis 60 Tage nach der Aussaat möglich. Bei Vorziehen im Mai und Auspflanzen nach den Eisheiligen sind die ersten Gurken typischerweise Mitte Juli reif.
